Montag, 31. August 2026

Black History in Berlin – Ausstellungswerkstatt In der diesjährigen Auflage unseres Projekts „Black History in Berlin“ haben wir gemeinsam mit jungen Teilnehmenden eine eigene Ausstellung konzipiert. Wir luden Kinder zwischen 8 und 10 Jahren der Fichtelgebirge-Grundschule in Kreuzberg ein, sich mit der Geschichte Schwarzer Menschen in Berlin auseinanderzusetzen. Die Methodik umfasste dabei vielfältige Ansätze: vom Drehen eigener Reportagen und Gesprächen mit Expert*innen über Bastelworkshops bis hin zur kreativen Gestaltung der Ausstellungsobjekte. So entstanden beeindruckende Ergebnisse wie Dokumentationen, Fotowände, Plakate und Plastiken, die am 24. März 2026 im Foyer der Grundschule präsentiert wurden.
Spurensuche im Museum Allen voran stand die Auseinandersetzung mit afrikanischer Raubkunst. Dazu besuchten wir mit den Kindern die Afrika-Sammlung des Ethnologischen Museums Berlin. Da diese Sammlung durchaus kritisch zu betrachten ist, haben wir die Kinder nicht „blind“ auf Tauchgang gebracht, sondern sie durch eine kritische Führung begleitet, die vom Experten David [Name?] geleitet wurde. Dabei lernten sie viel über die Ambivalenz der Objekte und ihren Verbleib in Deutschland, während sie gleichzeitig hautnah mit ihnen in Kontakt treten konnten. Das fanden die Kinder sehr spannend und lehrreich und sie imponierten David zudem mit ausgeklügelten Fragen. Die zentrale Frage war natürlich: „Warum stehen hier immer noch Artefakte, welche die Herkunftskulturen seit Jahren zurückverlangen?“ So lernten die Kinder interaktiv viel über historische Machtstrukturen und Ungerechtigkeiten.
Ein wesentlicher Teil des Inputs war auch das Thema der Tiergottheiten, welches den Kindern besonders gefiel. In verschiedenen afrikanischen Kulturen werden Tiere wie der Elefant, das Krokodil, der Büffel, die Schlange und der Leopard verehrt. Allen werden spezifische Attribute zugeschrieben, und die Begegnung mit ihnen hat oft eine spirituelle Bedeutung. Die Kinder liebten es, anschließend diese Tiere zu malen und mit Knete zu formen.
Orte der Geschichte Doch das Museum ist nicht der einzige Ort, an dem Schwarze Geschichte stattfand. Die Kinder besuchten auch die Sophienkirche in Mitte, in der Martin Luther King in den 60er Jahren predigte, sowie das May-Ayim-Ufer und die Audre-Lorde-Straße in Kreuzberg. Es ist wichtig, die Orte der Geschichte aufzuzeigen, um den Kindern zu vermitteln, dass diese Figuren nicht weit entfernte „Charaktere“ sind, sondern in ihren Nachbarschaften stattfanden.
Vorbilder und Empowerment Ein weiterer Teil des Projekts behandelte ganz konkret Schwarze Persönlichkeiten, die mit der Geschichte Berlins verbunden sind. Von Martin Luther King, über Rosa Parks, nach der eine Schule in Kreuzberg benannt ist, bis hin zu May Ayim. Als eine der bekanntesten afro-deutschen Schriftstellerinnen hat sie gemeinsam mit Audre Lorde den akademischen Diskurs über afro-deutsche Identität maßgeblich mitgeprägt. Schwarze Menschen haben schon immer in Berlin gewirkt, doch ihre Geschichte wird oft übersehen. Wir führten die Kinder an diese Biografien heran, denen sie mit Plakaten und Bildern Tribut zollten. Besonders durch die Kinderbuchreihe „Little People, Big Dreams“ konnten sie sich mit diesen Leitfiguren identifizieren und mehr über deren Lebenswege erfahren.
Die Ausstellung In einem Bastelworkshop mit der Berliner Künstlerin [Name?] konnten die Kinder ihrer Fantasie schließlich freien Lauf lassen und weitere Objekte für die Ausstellung herstellen. Anschließend fügten wir alle Werke zusammen, wählten die wichtigsten Stücke aus und kuratierten so die finale Ausstellung. Die Kinder waren mächtig stolz und hochmotiviert, den anderen Klassen ihre wichtige Arbeit zu zeigen. Nun sind sie selbst kleine Expert*innen für die Schwarze Geschichte Berlins.
Danksagung Wir danken dem Bundesprogramm Kultur macht stark und dem Deutschen Museumsbund e.V. für die Förderung des Projekts. Ein besonderes Dankeschön gilt auch dem Bündnispartner Stiftung Preussischer Kulturbesitz. Text: Leon Oranian